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Kunstkalender 2021 – Kalenderblatt Oktober

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2021

Technische Daten

  • Niloufar Shirani
  • Die Konferenz der Vögel
  • 2020
  • Größe (H x B x L): 120 cm x 160 cm
  • Technik: Öl auf Leinwand

Die Konferenz der Vögel

Das Bild, das uns die im Iran geborene Niloufar Shirani präsentiert, wirkt wie eine Bühne. Es gibt viel zu sehen. Bunt und exotisch präsentieren sich die im Titel genannten Vögel, vom Pelikan links bis zum roten Papagei rechts. Einer scheint auf dem Hals einer weiblichen Figur zu hocken, die neben einer weiteren Frauengestalt rechts auf dieser vermeintlichen Bühne steht. Auch bei der linken Figur wird der Kopf verdeckt, jedoch durch eine unbestimmbare organische Wucherung, eine exotische Pflanze vielleicht. Die rechte Frau in hellem Kittel streckt eine behandschuhte Hand aus, als wolle sie etwas ertasten. Hängt an ihrem Unterarm eine Maske, wie sie jetzt alltäglich zur Eindämmung der weltweiten COVID-19-Pandemie zu sehen ist, die das öffentliche Leben und damit auch die Jahresausstellungen der Kunstakademien zu drastischen Einschränkungen zwang? Auf ihrem Hals jedenfalls sitzt der erwähnte Vogel, rabenartig, vielleicht eine Elsterdohle, und sein Auge scheint uns anzublitzen. Lässt Alfred Hitchcock grüßen?

Der Titel des großformatigen Gemäldes zitiert zugleich eine Dichtung aus der Heimat von Niloufar Shirani, dem heutigen Iran. Der Mystiker Fariduddin Attar schuf sie Anfang des 13. Jahrhunderts und sie wurde zu einem der bedeutendsten Werke persischer Literatur. Die Vögel suchen ihren König und am Ende erkennen die Wenigen, die dieses Unternehmen überleben, dass sie selbst der König sind. Shirani platziert die literarische Anregung in eine Malerei, die wiederum ihre Wurzeln in der europäischen Kunstgeschichte hat. Es entsteht eine Art west-östlicher Diwan, der allerdings Medien übergreifend angelegt ist. Die Andeutung eines Vorhangs links, das tempelartige kleine Gebäude am Horizont, überhaupt die Anordnung der exotischen Vögel erinnert an barocke Inszenierungen, aber auch Werke des Surrealismus des 20. Jahrhunderts. Shirani eignet sich die Stilmittel an, verbindet sie und aktualisiert sie mit zeitgenössischen Requisiten wie einem Rollwagen, der an ein Krankenhausutensil erinnert. Und immer wieder übernimmt die Malerei selbst das Kommando, verwischt Ränder, schafft weiche Übergänge, verbindet Raum, Figur und Objekt durch großzügig variierende Flächen. So wird aus der malerischen Tradition Gegenwart, die Kulturen verbindet.

Text: Jochen Meister

Die Künstlerin

Niloufar Shirani
Niloufar Shirani
1985

Geboren in Esfahan (Iran)
lebt und studiert in München

lebt und studiert in Nür2009-2013

Masterstudium der Malerei an der Universität Teheran (Iran)

Seit 2017

Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professorin Karin Kneffel

Ausstellungen (Auswahl)

2017

Skulptur Projekt Hospiz Dernbach, Koblenz
KM 570 Kunstverein Mittelrhein, Koblenz

2018

Langsam Ruhig Direkt, Keramik Museum Westerwald, Koblenz

2020

Pale Blue Dot, Weltraum, München
Auf Sicht, Kunstraum Harbeck, Puchheim München

niloufarshirani.com