Content
Zur Übersicht

Kunstkalender 2017 – Kalenderblatt November

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2017

Technische Daten

  • Elizabeth Thallauer
  • A tale about a unicorn and a flying corn
  • 2016
  • je 24,5 x 9,5 cm 
  • Mischtechnik (Rekristallisierung von verschiedenen Arzneimitteln auf Papier)

 

A tale about a unicorn and a flying corn

Auch wenn der Titel der Arbeit von Elizabeth Thallauer poetisch und leicht versponnen erscheint: Das Thema ihrer dreiteiligen Installation, aus der wir einen Ausschnitt, sogenannte Teststreifen zeigen, ist alles andere als harmlos. Die Teststreifen bestehen aus schwarzem Karton, auf dem sich chemische Substanzen auskristallisiert haben. Sie lagen auf einem langen Tisch nebeneinander. An einer Wand befanden sich ebenfalls dunkle Tafeln, auf denen Formeln aufgeschrieben waren. Auf den ersten Blick wirkten sie wie schnelle Berechnungen von Wissenschaftlern, teils übereinander geschmiert und wiederholt korrigiert. Demgegenüber bestand der dritte Teil der Arbeit aus exakten QR-Codes, die zu den unterschiedlichsten audiovisuellen Beiträgen zum Thema Drogen und Drogenmissbrauch führten. Dies könnte ein offizieller Gesetzesentwurf ebenso wie das Video zu einer bizarren Verschwörungstheorie sein.

Elizabeth Thallauer packt mit ihrer Arbeit ein heißes Eisen an. Gesetzliche Verbote hinken nämlich angesichts rapide  beschleunigter Entwicklungen sogenannter Designerdrogen oft hinterher. Die hochgefährlichen Mixturen aus billigen Ingredienzen entziehen sich durch das Auswechseln einzelner Bestandteile den Verordnungen. Diese Lücken werden von Herstellern und Händlern ausgenutzt. Die scheinbar harmlose Schönheit kristalliner Strukturen hat als chemische Substanz im menschlichen Organismus verheerende Wirkung; die Formeln sind neutrale Boten eines Geschäfts mit Abhängigkeit und Elend. Die maschinellen Codes führen schließlich mitten in eine virtuelle Welt, die einen großteils unregulierbaren, verborgenen Marktplatz geschaffen hat. Der zauberische Titel ist eine Anleihe an die fantastischen Namen vieler Substanzen, die seit der psychedelischen Bewegung der 1970er Jahre eine schöne neue Welt vorgaukeln, in der man sein Bewusstsein mittels Drogen erweitern könne. Das Geschäft mit der Abhängigkeit jedoch ist düster und tödlich.

Text: Jochen Meister

Die Künstlerin

Elizabeth Thallauer
Elizabeth Thallauer
1971

geboren in Sofia, Bulgarien, lebt und studiert in Nürnberg

1995-1998

Studium an der Universität für Bergbau und Geologie, Sofia

2008-2001

Studium der Gold- und Silberschmiede an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Professorin Ulla Meyer

2011

Studium der Bildhauerei an der Kuvataideakatemia, Helsinki bei Professor Villu Jaanisoo

2011-2014

Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Professor Ottmar Hörl

2013

Meisterschülerin bei Professor Ottmar Hörl

2014-2015

Aufbaustudium Kunst und öffentlicher Raum an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Professorin Simone Decker

seit 2016

Aufbaustudium Kunst und öffentlicher Raum an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Professor Christian Philipp Müller

www.elizabeth-thallauer.de