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Kunstkalender 2017 – Kalenderblatt Dezember

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2017

Technische Daten

  • Johanna Strobel
  • obsolete reverse II
  • 2016
  • 220 x 160 cm
  • Öl auf Leinwand

 

obsolete reverse II

Wenn fotorealistische Malerei sich mit einem mysteriösen Motiv verbindet, kann daraus ein angenehm „zwielichtiges“ Werk entstehen. Sinnsucher kommen dann mit Augenzwinkern ebenso auf ihre Kosten wie Ästheten. Für letztere verbinden sich in dem großen Gemälde von Johanna Strobel drei runde, dunkle Körper, die von einem grün-blauen Leuchten umgeben sind, mit einem gleißend hellen, geometrisch präzisen Dreieck in totaler Dunkelheit. In den farbigen Licht- und Schattenvariationen um die drei Objekte werden deren Winkel aufgenommen, variiert oder transformiert. Die Interpreten dagegen dürften sofort einen Sack Zitronen ausmachen, der in einer völlig hermetischen Finsternis magisch hinterleuchtet ist, während die dreieckige Öffnung in einen Raum reinen Lichts führt. Das Motiv erscheint mystisch, esoterisch, seine Bedeutung nur Eingeweihten zugänglich.

Beiden Ansichten kann man kaum widersprechen. Genau hier liegt der Witz: Banale Dinge werden durch ihre Inszenierung mit klassischen Mitteln der Malerei zu geheimnisvollen vermeintlichen Bedeutungsträgern. Das Bild obsolete reverse II  ist, wie die römische Ziffer andeutet, eine Variation dieses Konzepts, das neben Zitronen beispielsweise auch Spülschwämme in Szene setzt. Der Titel bezieht sich auf ein Zitat des Schriftstellers Vladimir Nabokov und stammt aus einer Kurzgeschichte, die sich skeptisch mit Science Fiction befasst: “The future is but the obsolete in reverse“. Dieses „Obsolete“, Altmodische lässt sich durchaus auf das traditionelle Medium der Malerei beziehen. Sie erschafft das geheimnisvolle Leuchten, als würde sich eine überirdische Erscheinung offenbaren. Umgekehrt führt die Malerei das scheinbare Rätsel, wer sich da zeigt, als Spiel mit unserer Wahrnehmung vor. Das Außergewöhnliche, noch nicht Dagewesene entspringt unserer Erwartung. Die Illusion der Esoterik schwindet mit der Erkenntnis, dass es drei Zitronen im grünen Netz in jedem Supermarkt gibt.

Text: Jochen Meister

Die Künstlerin

Johanna Strobel
Johanna Strobel
1984

geboren in Regensburg, Deutschland, lebt und studiert in München

2004-2010

Studium der Mathematik, Kunsterziehung, Informationswissenschaft an der Universität Regensburg

seit 2010

Studium der Freien Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professor Gerhard Merz, Professorin Anke Doberauer, Professor Klaus vom Bruch und Professor Gregor Hildebrandt

seit 2016

Meisterschülerin bei Professor Gregor Hildebrandt

Ausstellungen (Auswahl):

2015

Munich Contemporary Art, Aki Gallery, Taipei, Taiwan (Gruppenausstellung)

2016

Tender is the night, Galerie Christine Mayer, München (Gruppenausstellung)

2016

Cosmic Latte, Galerie Isabelle Lesmeister, Regensburg

Preise und Förderungen:

2015

Komödie der Vereinfachung, LfA Katalogförderung, München

2016

Förderung für Kitti&Joy inviting friends, Akademieverein München

2016

Atelierförderung Otto-Steidle-Ateliers, München

2016

Jubiläumsstipendium, Akademie der Bildenden Künste München (Kitti&Joy)

2016

Bayerisches Atelierförderprogramm für Bildende Künstlerinnen und Künstler

www.johannastrobel.com