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Kunstkalender 2017 – Kalenderblatt Titelseite

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2017

Technische Daten

  • Qiao Wan
  • Catwalk
  • 2016
  • Video, 45 Sekunden

 

Catwalk

Das Titelbild des Kunstkalenders 2017 zeigt einen Ausschnitt des Videos Catwalk,  der im Kinoformat auf der Münchner Jahresausstellung lief. In einer grob gerasterten Matrix bildet sich die Halbfigur einer attraktiven Frau mit rotem, schulterlosen Kleid ab. Im Video sah man sie zweimal, spiegelbildlich verdoppelt. Die Figuren bewegten sich in schnellen Schnittfolgen aufeinander zu. Dazu flackerten die Bildpunkte, aus denen sie sich zusammensetzen, umgeben vom ständigen Flimmern unleserlicher Zeichen in der Dunkelheit. Die Bewegung war unterlegt mit einem melodischen Rocksong, unter den sich am Schluss Applaus mischte. Dazu lösten sich die Figuren bis zur Unkenntlichkeit in die vielen Bildpunkte auf. Spätestens jetzt sah man deutlich, dass diese Punkte aus kleinen Icons gebildet sind, Bildchen, wie sie jeder Smartphone-Nutzer kennt. Neben Sprechblasen, Ordnersymbolen usw. finden sich zahlreiche „Emojis“, jene neuen Hieroglyphen, die den guten alten „Smiley“ zum Urahnen haben. Nicht sachliche Informationen, sondern Emotionen und Kommentare werden durch sie ausgedrückt, und das weltweit.

Ausgangspunkt von Catwalk  ist die Verschmelzung zweier Vorlagen. Die visuell verarbeiteten Details einer Modenschau des 2010 verstorbenen Alexander McQueen sind kombiniert mit der Soundbearbeitung einer spektakulären Präsentation der Designerin Nagi Noda, die bereits 2008 starb. Beide, der Brite und die Japanerin, waren Idole, die einem schrillen und globalen Lebensgefühl Ausdruck gaben und jung aus dem Leben schieden. Die Welt der Zeichen ist bunt, vital und dynamisch; der Tod kann nur als Störfaktor erscheinen. So hat Qiao Wan die Bildvorlagen per Computerprogramm in die Zeichenmatrix übersetzt, dabei jedoch ebenso wie beim Sound kleine Störungen eingebaut. Diese Webfehler, Aussetzer, akustischen und optischen Kratzer brechen eine allzu funkelnde Oberfläche auf und lassen das Fragile und Verletzliche zum Vorschein kommen, das menschlicher Existenz eigen ist.

Text: Jochen Meister

Die Künstlerin

Qiao Wan
Qiao Wan
1985

geboren in Sichuan, China, lebt und studiert in München

2004-2008

Studium der Ölmalerei an der Sichuan Conservartory of Music, China

2012-2015

Studium der Kunsttherapie an der Akademie der Bildenden Künste München

seit 2015

Studium der Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professor Klaus vom Bruch

Ausstellungen (Auswahl):

2008

Flowerlet performance-art-live of UP-ON International live art festival, Performance: drawing circular by left-hand with drawing square by right-hand, Chengdu, China

2009

The 10th open Performance Art Festival, 798 Art Area, Performance Gemini, Peking, China

www.wanqiao.de
www.qiaoqiaoqiao.wixsite.com/videos