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Kunstkalender 2017 – Kalenderblatt Oktober

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2017

Technische Daten

  • Steve Braun
  • Falsche Federn
  • 2016
  • je 152 x 114 cm
  • Fotografie, Digitale Bildbearbeitung

 

Falsche Federn

Die Präzision der beiden Bilder ist bestechend. Auf gleichem roten Hintergrund sind in großem Format links der Ausschnitt einer Amsel und rechts der angeschnittene Flügel eines Turmfalken präsentiert, womit die Gegenüberstellung der von natürlichen Feinden entspricht. Obwohl es sich um Fotografen handelt, ist die Wirkung der Motive in hohem Maße künstlich. Der grafische Hintergrund bildet einen Kontrast zum plastisch wirkenden Gefieder. Durch die Konzentration auf das Fragment erreicht Steve Braun eine Anonymisierung des Motivs. Nicht um das Individuum geht es, sondern um ein Prinzip: Die Metamorphose des lebenden, individuellen Tieres zum toten Objekt.

Bei beiden Vögeln handelt es sich um ausgestopfte Exemplare. Die künstliche Plastizität der Tierfragmente ist das Resultat einer Langzeitbelichtung mit aufwändigem Einsatz von Blitzlicht aus unterschiedlichen Positionen. Dazu kommt eine Nachbearbeitung am Computer, die Braun als „digitale Totenwäsche“ bezeichnet. Insbesondere der Staub auf dem Gefieder wird entfernt und das Motiv bereinigt. Das tote Tier, vom Präparator nach menschlichen Vorstellungen „verewigt“ als Objekt, wird in der Fotografie ein zweites Mal präpariert und „verdinglicht“. Es wird also gleich doppelt mortifiziert, was eine intensive Auseinandersetzung mit einschlägigen Theorien der Gattung reflektiert, in denen Fotografie als das „tote Medium“ schlechthin bezeichnet wird. Entscheidend für diese Erkenntnis ist letztlich ein Umstand, den man vielleicht zunächst gar nicht wahrnimmt: Die Federn entsprechen nicht denen eines lebendigen Tieres. Das zum Objekt gewordene Tier kümmert sich nicht mehr um deren Ordnung und Pflege. Sie altern in ihrer präparierten Form ganz anders, als sie es am lebenden Organismus würden. Der schwarze Rahmen kann dann naheliegend als ein Trauerrand gesehen werden, während der Titel auf den Fehler hinweist, den man begehen würde, wenn man das (fotografierte) Objekt mit einem Lebewesen gleichsetzte.

Text: Jochen Meister

Der Künstler

Steve Braun
Steve Braun
1989

geboren in Demmin, Deutschland, lebt und studiert in Nürnberg

2006

Ausbildung zum Grafikdesigner, Höhere Berufsfachschule für Grafik & Design, Anklam

2010

Ausbildung zum Mediengestalter, Fachrichtung Konzeption & Visualisierung, Wolf & Motoori Communication, Frankfurt am Main

seit 2013

Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Professorin Ottmar Hörl

Ausstellungen:

2015

Klassenfahrt, Galerie Evelyn Drewes, Hamburg (Gruppenausstellung)

2016

Zustandsbewertung, Borgo Ensemble Nürnberg (Gruppenausstellung)

2016

Scheitern, Kunstverein Essen (Gruppenausstellung)