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Kunstkalender 2020 – Kalenderblatt Mai

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2020

Technische Daten

  • Joohee Han
  • Bubble
  • 2019
  • Größe (H x B x L): 14 cm x 14 cm x 15 cm
  • Edelstahl gelötet, geschweißt

Bubble

"In meiner Arbeit sehe ich das Material als einen Transmitter zwischen unserem Körper und einer uns umgebenden Stadtlandschaft, die ohne Eisen und Stahl zu bauen nicht möglich gewesen wäre. Damit eine Verbindung mit dem Körperschmuck aus Stahl entsteht, ahmt die äußere Form das Erscheinungsbild flüchtiger Strukturen nach, organischer Silhouetten von Wolken und Seifenblasen, die den Körper umgeben und erweitern."

Der Armreif, den die Schmuckkünstlerin Joohee Han geschaffen hat, ist äußerst filigran. Er kann nur mit großer Vorsicht getragen werden. Sein ultraleichter Körper wird durch die fadendünnen Drähte aus Edelstahl mehr beschrieben als geformt. Schließich stellt sich ein gedankliches Bild ein, wenn das Schmuckstück wie eine sockellose Skulptur, wie eine räumliche Installation auf einer Fläche liegt. „Bubble“ besteht aus miteinander verbundenen Strahlenkränzen in drei unterschiedlichen Strukturen. Bei den beiden größeren ordnen sich die zarten Linien um ein winziges Oval, bei der kleineren sind sie direkt in einem Zentrum miteinander verlötet. Bei der größten Grundform gabeln sich die Strahlen am Ende nochmals, was den filigranen Effekt verstärkt. Die im Sinne eines Armreifs schlauchförmig ein leeres Zentrum umfassende Hülle besteht ausschließlich aus den Strahlenkränzen, deren größere leichte Buckel bilden. Es sind kleine Blasen, die sich zur Meta-Blase zusammensetzen. Das erinnert an natürliche Formen etwa von Meeresbewohnern oder Pflanzen. Das Material Edelstahl ist dabei an sich äußerst robust, haltbar und widerstandsfähig. Das steht im Kontrast zur ephemeren Form des Schmucks. Das Bild wird besonders eindrücklich, wenn wir an Seifenblasen denken, die nur kurze Zeit existieren, bevor sie zerplatzen. Somit kreiert Joohee Han einen produktiven Widerspruch von Form und Material, welchen sie noch erweitert. Denn in einem größeren Kontext steht der Stahl für menschliche Konstruktionen, für stabile Ingenieurleistungen, wie Brücken oder Wolkenkratzer. Joohee Han denkt an Stadtlandschaften, künstliche Gebilde, zu denen das Material gedanklich vermittelt. Die Schmuckform jedoch, die beim Tragen den Körper umgibt und sozusagen räumlich erweitert, erinnert zugleich an die Vergänglichkeit organischen Lebens.

Text: Jochen Meister

Die Künstlerin

Joohee Han
Joohee Han
1986

Geboren in Ulsan, Südkorea

lebt und studiert in München

2010

Bachelor-Studium und Master-Studium Metal Work & Jewellery am College of Design, Kookmin University Seoul

seit 2013

Studium Schmuck und Gerät an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professor Otto Künzli und Professor Karen Pontoppidan

2018

Meisterschülerin Schmuck und Gerät an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professor Karen Pontoppidan

Ausstellungen (Auswahl)

2012

Mythology of material alchemists, Korea craft and design foundation, Seoul, Südkorea

2013

Cominelli Foundation Award, Cisano di San Felice del Benaco, Italien (Gruppenausstellung)

2015

This is so contemporary, Galerie Françoise Heitsch, München

2016

Eine kleine Eskapade, Galerie Maurer Zilioli, München

2017

TALENTE 2017, Internationale Handwerksmesse, München

2019

FERROcity, Vittoria Street Gallery, Birmingham, England (Gruppenausstellung)

2019

TRUE GRID, Galerie Jewelers’Werk, Washington D.C., USA (Gruppenausstellung)

Sammlung

Cominelli Foundation, Italien