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Kunstkalender 2017 – Kalenderblatt April

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2017

Technische Daten

  • Dominik Bais, Rupert Jörg
  • Je suis refugee
  • 2016
  • je 50 x 50 cm
  • Druck auf Acrylglas

 

Je suis refugee

Drei Fliesen zieren eine aufgebrochene Wand in der Münchner St. Ludwigskirche. Ihre Rautenform findet sich in der erhaltenen Bemalung der Kirchenwand wieder. Doch die Farbgestaltung weicht ab. Was es damit auf sich hat, erklärte der Inhalt einer Vitrine, die unter den Fliesen aufgestellt war und hier nicht abgebildet ist. Bais und Jörg dokumentieren dort die „analytische Bewertung“ dreier Werke von Vic Muniz, Ai Wei Wei und John van der Reest, Künstler von unterschiedlichem Bekanntheitsgrad. Alle drei haben die Flucht und den Tod von Menschen im Mittelmeer zum Thema. Am drastischsten geht Ai Wei Wei vor, indem er sich an den Strand legt und das Pressefoto jenes toten Kindes aus Syrien nachstellt, das 2015 die Weltöffentlichkeit erschütterte.

Bais und Jörg sind diese Werke suspekt in ihrer Wirkung, die trotz möglicherweise guten Willens ihrer Meinung nach die Flüchtlinge benutzen, ihnen jedoch nicht nutzen. Der Titel, der auf die Kampagne nach dem islamistischen Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ anspielt, weist auf den Widerspruch zwischen Solidarität und Behauptung hin. Bais und Jörg  bewerteten nun die marktrelevanten Faktoren der drei Werke, etwa den Bekanntheitsgrad des Künstlers oder den motionalen Faktor des Motivs, mit einem 5-Sterne-System, wie man es aus der Produktwerbung im Internet kennt. Der Clou ist, dass die (im übrigen fiktionalen) Bewertungen mit einer Farbskala verknüpft sind, aus der sich die Farbgestaltung der Ornamente ableitet. Die drei Fliesen repräsentieren also die merkantilen Erfolgsfaktoren der „Flüchtlingsbilder“. Je ausgewogener und reinfarbiger die Gestaltung, desto erfolgreicher das zugeordnete Werk. Unschwer erscheint die mittlere, Ai Wei Wei zugeordnete Fliese als die attraktivste. Ein weiterer Aspekt des Ornaments macht aus der Konzeptkunst eine ortsspezifische Arbeit. Die 1844 geweihte Ludwigskirche zitiere, so Bais und Jörg, mit ihrer Wanddekoration zugleich das byzantinische Abbildungsverbot, das zur Blüte des Ornaments im Nahen Osten führte – am Rande jenes Mare Nostrum, das heute zum Massengrab geworden ist.

Text: Jochen Meister

Die Künstler

Dominik Bais, Rupert Jörg
Dominik Bais, Rupert Jörg
1992

Dominik Bais, geboren in Ulm, Deutschland, lebt und studiert in München

seit 2012

Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professor Matthias Wähner

Ausstellungen (Auswahl):

2016

Notel Prinzregent, Hotel Prinzregent München (Gruppenausstellung)

2016

there will be blood (Gruppenausstellung)

2016

Isarflux Festival (Gruppenausstellung)

Preise:

2015

Münchner Bank Medien Kunst Preis

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1985

Rupert Jörg, geboren in München, Deutschland, lebt und studiert in München

1985

Rupert Jörg geboren in München, Deutschland, lebt und studiert in München

seit 2009

Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Julian Rosefeldt und Professor Res Ingold

2012-2013

Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien bei Professor Hans Scheirl

2014

Stipendium für Studium an der ESADM in Marseille

Ausstellungen:

2010

"Liver Fuck", Videofilmfest Ludwigsburg

2012

Galerie f5,6, München (Gruppenausstellung)

2015

Gallery G1, Shanghai, China (Gruppenausstellung)

Preise:

2010

1. Preis für "Liver Fuck", Videofilmfest Ludwigsburg

www.rupertjoerg.com