Unternavigation

Content
Zurück
Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der der Andechser Molkerei Scheitz

Menschen

FAKTEN
Finanzierung:
 verschiedene Förderkredite
Gründungsjahr: 1908
Standort: Andechs
Geschäftsfeld: Bio-Milchverarbeitung
Mitarbeiter: 190
↳ www.andechser-natur.de

Fotos: Conny Mirbach
Text: Marlene Irausek

In der Natur der Sache

110 Jahre alt ist die Andechser Molkerei Scheitz, und kaum jemand sonst hat so viel Erfahrung mit Bio-Milch. Die jetzige Chefin Barbara Scheitz denkt aber längst weiter

Es duftet nach Heu, und durch die Stalltür fällt der Blick auf das hügelige Alpenvorland Bayerns. Die frische Milch der vor sich hin kauenden Kühe wird im Sammeltank des weiß-grünen „Andechser Natur“-Lkws direkt vom Hof in die Biomilchstraße 1 in Andechs gebracht. Bereits im Lkw entnehmen Molkerei-Mitarbeiter die erste Probe für das Labor. Dann füllen sie die kontrollierte Ware in glänzende Stahltanks, um sie anschließend für die Produktion freizugeben. Pro Jahr durchlaufen circa 124 Millionen Kilogramm Bio-Milch diesen Kreislauf. Für diese beachtliche Menge sorgen rund 630 zertifizierte Bauern aus Oberbayern und dem Allgäu. Besser gesagt, ihre 26.800 Kühe und 14.500 Ziegen.

Urgroßeltern der Molkereigeschäftsführerin Barbara Scheitz

Begründeten das Traditionsunternehmen

Urgroßeltern der Familie Scheitz

Die Leidenschaft für das Milchhandwerk gaben Barbara Scheitz’ Urgroßeltern der Familie mit auf den Weg. Ihre Käserei hinter der Dorfkirche in Erling-Andechs begründete das Traditionsunternehmen, das sich zur größten Bio-Molkerei Europas entwickelte, mit einem Umsatz von 151 Millionen Euro im Jahr 2017. Wegweisend dafür war Scheitz’ Vater Georg, der schon in den Achtzigern mit der Verarbeitung von Milch aus ökologischer Landwirtschaft begann. „Die Verantwortung für Mensch und Natur haben wir in unserer Familie sehr früh mitbekommen”, erinnert sich Barbara Scheitz, die 2009 die Produktion des Sortiments ganz auf Bio-Qualität umstellte. Mit den Arbeitsabläufen schon von Kindesbeinen an vertraut und davon begeistert, erlernt sie das Molkerei-Fachwerk im elterlichen Betrieb und vertieft ihr Wissen bei Molkereien in Frankreich und Norddeutschland. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium steigt sie ins Familienunternehmen mit ein.

„Tradition hat viel mit der Wertschätzung seiner Umgebung zu tun“ Barbara Scheitz

Gemeinsam mit ihrem Vater entwickelt die heute 52-Jährige die Firma kontinuierlich weiter und übernimmt 2003 seine Geschäftsanteile und die Geschäftsführung. Seitdem hat sich viel getan. Die Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln wächst und damit auch die Molkerei. Das Betriebsgelände wird erweitert und technologisch sowie technisch auf den neuesten Stand gebracht. Dabei steht die LfA als Partner zur Seite und unterstützt den Umbau mit einem Darlehen, abgewickelt über die Stadtsparkasse München.

Das neue Verwaltungsgebäude schließt an ein modernes Hochregal­lager an, das unterirdisch mit der vollautomatischen Verarbeitungs- und Abfüllstätte verbunden ist. Rohrkonstruktionen und Tanks aus poliertem Stahl, Abfüllmaschinen und die Mitarbeiter in weißen Kitteln, mit Schuhüberziehern und Einweghäubchen erinnern mehr an ein Milchlabor als an eine Molkerei. Aber das Ökologische, das bleibt. „Ich glaube, Tradition hat viel mit der Wertschätzung seiner Umgebung zu tun”, resümiert Scheitz. „Was mein Vater hier gemacht hat – das Unternehmen so auszurichten und die ökologische Landwirtschaft zu unterstützen – muss man hoch anerkennen und weiterführen.”

Die Molkerei-Chefin denkt längst weiter. Barbara Scheitz war die Erste in der Milchbranche, die eine gentechnikfreie Produktion mit den damals noch konventionellen Bauern vereinbarte. Außerdem initiierte sie eine Rückverfolgung der „Andechser Natur”-Produkte im Internet. Über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Bio-Kefir, Mango-Lassi und Co. können Verbraucher herausfinden, aus welcher Region und von welchen Bauern die Milch dafür stammt.

Zwar teilen Vater und Tochter eine Grundeinstellung, dennoch war der Führungswechsel auch eine Herausforderung. „Familiäre Strukturen und eine Verbindung zum Unternehmen erfordern mitunter andere Sichtweisen. Das gehört dazu und ist für alle Beteiligten ein spannender Prozess”, fasst die Nachfolgerin zusammen. Scheitz senior hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, ist jedoch immer noch geschätzter Ratgeber und Ideenbringer.

Leisten Sie Ihren Beitrag

zur ökologischen Landwirtschaft mit einer „Andechser Natur“-Kuhpatenschaft:
www.kuhpatenschaft.de

Betriebsgelände der Andechser Molkerei Scheitz

Das moderne Betriebsgelände

der Andechser Molkerei Scheitz