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Kunstkalender 2023 – Kalenderblatt November

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2023

Technische Daten

  • Theresa Hartmann
  • Titel: lecken 
  • Jahr: 2022
  • Größe (H x B x L): variabel
  • Technik:  Installation aus Silikon, rohem Ton, Wasser

lecken 

Der persönliche Antrieb für ihre Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit Formen. Es geht um Porosität, Resonanzen, Wasserkörper und deren Umwelten. Ihr Anliegen ist stets ein feministisches. Sie versucht, Möglichkeiten für Existenzen zu suchen und zu (er)finden. In »lecken« werden die Objekte selbst zu Performenden, indem sie ihre Form und materielle Konsistenz verändern. Verschiedene Zustände verweisen auf das vorhandene Potenzial von zyklischer Veränderung und Erneuerung. Sie zerfallen, zerfließen und hinterlassen Spuren, werden wieder zu Material für neue Formen.

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Das Material Silikon wurde erst im 20. Jahrhundert entwickelt. In Theresa Hartmanns Arbeit trifft es auf Ton, eines der ältesten Materialien der Kulturgeschichte. Auch hinsichtlich ihrer Eigenschaften sind beide Stoffe sehr gegensätzlich. Ton nimmt Wasser auf, Silikon ist wasserabweisend, und Wasser wiederum spielt eine wichtige Rolle bei der Arbeit „lecken“. Der kleingeschriebene Titel weist auf eine Beziehung zum feuchten Element. Das Verb ist mehrdeutig, es meint den Vorgang, bei dem eine Zunge etwas berührt – und vielleicht denkt man metaphorisch an Wasserzungen, die am Ufer lecken. Oder man meint das Eindringen oder Austreten von Flüssigkeit in oder aus einem Körper, der ein Leck aufweist. Beide Male werden Grenzen berührt und Zustände von trocken und feucht, fest und flüssig kontrastiert.

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    In „lecken“ schafft die Künstlerin Gefäße aus Ton, der nicht gebrannt, sondern von einer Silikonstruktur umfangen wird. In die Tongefäße wird regelmäßig Wasser gefüllt, wodurch der Ton immer weicher wird und seine Form verliert. Die elastische, durchlässige Silikonhülle verhindert diesen Prozess der Auflösung nicht, sie begleitet ihn. Schließlich kann der feuchte Ton genommen und daraus ein neues Gefäß gemacht werden, während das Silikon als beutelartige Form verbleibt.

    Die Inszenierung von „lecken“ findet in einem Ausstellungsraum statt, in dem die einzelnen Gefäße wie kleine Inseln auf dem grauen Boden stehen, von dem sie sich nur in Nuancen farblich abheben. Die Ton-Silikon-Gefäße führen durch die wasserbedingte Formveränderung gewissermaßen eine autonome Performance auf. Sie ändern dabei ihre metaphorisch zugeschriebenen Rollen. Das Gefäß löst sich auf und kann nichts mehr aufbewahren. Die Hülle, die es scheinbar schützt und stützt, ist jedoch symbiotisch abhängig vom Ton, sie verliert ihre Form. In diesem performativen Prozess befindet sich auch der binäre Code von fest und flüssig, hart und weich in einer Transformation. Damit ist die Arbeit insgesamt eine Metapher für die Wandelbarkeit von Existenz und die Fragwürdigkeit von vermeintlich sicheren Zuschreibungen.

    Text: Jochen Meister

    Die Künstlerin

    Künstlerin Theresa Hartmann
    Theresa Hartmann
    1992

    Geboren in Würzburg

    Lebt und arbeitet in Nürnberg

    2015

    Studium Bildende Kunst an der Universidad de Málaga (Spanien)

    2016

    Staatsexamen im Studium Realschullehramt an der Universität Passau

    2017

    Studium Freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg

    2020

    Staatsexamen im Studium Schulpsychologie an der Universität Bamberg

    2020

    Mitglied der DAF (dynamisch akustische Forschung)

    2021

    Studium in der angewandten akustischen Forschung (Kunst) an der Universitat de Barcelona (Spanien)

    2022

    Studium Bildende Kunst an der Accademia di Belle Arti di Palermo (Italien)

    Ausstellungen (Auswahl)

    2020

    »Auf nach Zimmer Zero«, Hinterconti, Hamburg, Gruppenausstellung

    2021

    »Umschlossene Luft«, Global Art Festival, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg

    2021

    »floating fragments«, »conditions of a necessity 2«, Kunsthalle Baden Baden, DAF