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Kunstkalender 2016 – Kalenderblatt Mai

Metadaten

Kategorie
Kunstkalender
Mediatyp
Bilder, Video
Jahr
2016

Technische Daten

  • Jonghoon Im
  • ohne Titel
  • 2015
  • 21 x 74 x 36 cm
  • Keramik, weiße Glasur

 

ohne Titel

Der Park direkt hinter der Münchner Kunstakademie ist ein wunderschöner Ort mit viel Grün. Während der Jahresausstellung werden hier zwischen Büschen und alten Bäumen Arbeiten und Aktionen präsentiert. Ein kleines Bächlein ist dort angelegt, in dem Wasser plätschert. Für einen Moment jedoch scheint es geronnen zu sein, sich zu einer fragilen, weißen Skulptur verwandelt zu haben. Jonghoon Im hat ein paar Zeilen geschrieben zu seiner Keramik, die er am Bach im Grünen platzierte. Er weist darin auf einen alten Mythos hin, welcher ihm die Idee zu seinem Werk gab. Denn was zunächst nur wie eine Fortsetzung von Wogen und Spritzern erscheint, ist tatsächlich in einigen Partien dem schaufelartigen Geweih eines Hirsches nachempfunden. "Ich finde, dass ein Hirschgeweih eine lebendige und erhabene Form hat", erklärt der Koreaner. Geweih- und Wasserformen verbinden sich in einer dynamische Bewegung, so wie der Hirsch auf die sprudelnde Quelle trifft in jenem Mythos, der besagt, dass der dürstende Hirsch nach dem Genuss frischen Quellwassers sein Leben verlängert.

Zeichnerisch näherte der Künstler sich in unterschiedlichen Ansichten und Abstraktionsgraden dem Motiv. Dazu gehört beispielsweise eine naturalistisch wirkende Zeichnung, die den Hirsch von oben zeigt, wie er seinen Kopf mit dem ausladenden Geweih zur gekräuselten Wasseroberfläche neigt. In einer weiteren Zeichnung bilden sich daraus tropfenförmige Körper, die scheinbar im Raum schweben. In diesem gestaltenden Prozess formte Jonghoon Im schließlich seine Skulptur. Der durch das lebendige Wasser unsterbliche Hirsch ist ein Symbol der Wiedergeburt. Die Aufstellung am Bach ist kongenial, obwohl die Skulptur nicht ausdrücklich für den Platz an der Quelle geschaffen wurde, sondern eigenständig gedacht ist. Doch wenn aus dem Zeichnen eines Naturmotivs eine abstrahierende Plastik wird, welche schließlich in die Natur zurückkehrt, ist das ein wunderbarer Weg zurück zum Ausgangspunkt und eine Metapher für den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt, welcher im Mythos angelegt ist.

Text: Jochen Meister

Der Künstler

Jonghoon Im
Jonghoon Im
1988

geboren in Cheonan, Südkorea

seit 2014

Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München bei Professorin Jorinde Voigt

2015

Ausstellung im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden

www.jonghoonimblog.wordpress.com