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Downhill-Rider mit Bike von YT-Industries

Unternehmen

FAKTEN
Finanzierung:
 Universalkredit Innovativ
Gründungsjahr: 2008  
Standort: Forchheim
Geschäftsfeld: Direktvertrieb Innovativer Bikes 
Mitarbeiter: ca. 100    
 www.yt-industries.com

Fotos: Ale di Lullo
Text: Stefan Ruzas

Vom Talent, jung zu bleiben

Der Sprung der Forchheimer Firma YT Industries unter die weltweit führenden Hersteller von Mountainbikes ist auch ein digitales Kunststück.

Ein einfacher Rahmen aus Stahl, Federgabel, Hinterrad­bremse: Das erste Rad hat Markus Flossmann noch in der Wohnung seiner Schwiegermutter zusammengeschraubt; damals vor zehn Jahren, in Leutenbach bei Forchheim. Davor hatte er zwei Jungs zugeschaut, die mit ihren fast schrottreifen Mountainbikes aus dem Baumarkt in der oberfränkischen Kreisstadt artistisch über Hindernisse und Erdhügel sprangen.

An neue und vor allem robustere Räder war nicht zu denken. „Zu teuer“, meinten sie. In dieser Kategorie, „Dirt Jump“ genannt, war unter 1.000 Euro einfach nichts zu machen. Was Flossmann, damals selbst begeisterter Mountainbiker, irgendwie nicht mehr in Ruhe ließ.

Porträt Markus Flossmann

Für Gründer Markus Flossmann ist Talent keine Frage des Alters.

Diese Einstellung lebt er privat genauso wie mit seiner Mountainbike-Firma YT Industries

Obwohl er doch eigentlich genug zu tun hatte, als Marketingleiter einer großen Fitnesskette. Er entwickelte in seiner Freizeit einen Rahmen und fand mit Hilfe eines Freundes in Taiwan einen Hersteller, der ihm davon 150 liefern konnte. Samt Zubehör. Flossmanns Erspartes war damit weg, und er begann, die Räder zu Hause zu montieren, um sie über eine eigene Website zu verkaufen. Für 499 Euro das Stück. Eines davon brachte er dann noch schnell in der Redaktion eines Fachmagazins in München vorbei – zum Testen. Was die dann auch prompt gemacht haben, in Konkurrenz zu all den anderen, teuren Modellen.

Dann das: Flossmanns „Dirt Love“ wurde vier Wochen später zum Testsieger „Preis/Leistung“gekürt. Innerhalb von zehn Tagen waren alle montierten Räder verkauft. Via Internet. Flossmann kündigte seinen Job und gründete eine Firma, die zunächst Sponsoree hieß und später dann in YT Industries umgetauft wurde. YT steht für „Young Talents“, für Jungs also wie die in Forchheim. „Gravity“ nennt sich das Fahrradsegment, bei dem es vor allem darum geht, möglichst gekonnt und extrem bergab zu fahren.

Und heute? Macht diese Firma 50 Millionen Euro Jahresumsatz, weltweit natürlich. Allein 2018 wird es ein Wachstum von 48 Prozent geben. Ohne stationären Handel, sondern ausschließlich im Online- Vertrieb, also digital. Ein eigenes Weltcup-Team gibt es, mit weltbekannten Stars wie Aaron Gwin und jeder Menge Weltcup-Siegen. Von den immer neuen Testsiegen ganz zu schweigen.

Das digitale Marketing ist ständig im Wandel

"Instagram ist aktuell das beste Tool, um die Marke zu bilden und den Bekanntheitsgrad wachsen zu lassen, YouTube ist das Grundmedium zur Publikation von Videos und Facebook ein unabdingbares Tool für die direkte Kundenkommunikation“, so Markus Flossmann.

YT Industries hat mehr als 400.000 Follower bei Instagram und Facebook und über 18.000 Abonnenten auf YouTube.

Bis heute wird die komplette Produktpalette in Forchheim entwickelt, beziehungsweise auch in einem neuen Gebäude, dem schicken Pilatus-Campus im rund sechs Kilometer entfernten Hausen. Rund 100 Mitarbeiter brauchen halt Platz. Und ihr oberstes Ziel sei auch heute noch, „den Berg so effizient wie möglich hinaufzukommen, um dann maximalen Spaß bei der Abfahrt zu haben“.

 „Good Times“, so heißt der Slogan von YT Industries. Flossmann hat sich ihn gleich zweimal auf die Haut tätowieren lassen, einmal auf seinen rechten Unterarm, einmal auf seine Hand. Und wenn man ihn fragt, was an den jungen Talenten denn heute noch jung sei, antwortet er: „Alles. Denn Alter ist nur eine Zahl. Sich jung zu fühlen ist reine Kopfsache. Freies Denken ist dabei die wichtigste Zutat – und das geht nur, wenn man den Mut aufbringt, das Bekannte hinter sich zu lassen.“

Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Hersteller von Fahrrädern keinen stationären Handel mehr brauchen: „Das Verhalten der Konsumenten hat sich in den vergangenen zehn Jahren rasant geändert und ist weiterhin in Bewegung. Berührungsängste vor Käufen im Internet gehen immer weiter zurück.“ Und trotzdem sei man „authentisch, wir legen Wert auf höchste Qualität und haben so das Vertrauen unserer Kunden gewonnen“.

Ohne Digitalisierung geht also nichts mehr bei YT Industries. Nicht nur in den Teams „Customer Service“, „Social Media“ und „IT“, die sich um die Kommunikation mit den Kunden kümmern und den Webshop pflegen. Auch der gesamte Marketingbereich beschäftigt sich mit digitalen Themen, und selbst die Arbeitsabläufe im Bereich Logistik sind längst so weit digitalisiert, dass keine manuellen Listen mehr geführt, sondern Produkte gescannt und Produktionsketten digital überwacht werden.

„Das Thema Big Data ist dabei für uns sehr relevant“, so Flossmann: „Da geht es ja nicht nur um Bank und Bezahlkarten, um Social-Media-Interaktionen oder Webstatistiken, sondern auch um unterschiedliche Rechtsprechungen beim weltweiten Vertrieb und die korrekte Verarbeitung von Kundendaten.“

  • Abbildung Online-Shop YT Industries

    YT Industries verzichtet

    auf einen stationären Handel seiner Bikes
  • YT-Team-Rider Ángel Suárez beim Downhill-Ride

    YT-Team-Rider Ángel Suárez

    beim Downhill-Ride

Auch das digitale Marketing – YT Industries hat mehr als 400.000 Follower bei Instagram und Facebook – sei ständig in Bewegung: „Instagram ist aktuell das beste Tool, um unsere Marke zu bilden und den Bekanntheitsgrad wachsen zu lassen, YouTube ist das Grundmedium zur Publikation von Videos und Facebook ein unabdingbares Tool fü̈r die direkte Kundenkommunikation.“

Es ist viel passiert, seit die LfA dem jungen Unternehmen mit dem Universalkredit Innovativ und der damit verbundenen Freistellung bei der Haftung half, Banken von dem neuartigen Geschäftsmodell zu überzeugen. Und wer weiß, was in Zukunft noch alles passiert. Auf die Frage, wann es das erste YTBike mit E-Motor gebe, antwortet Flossmann eher zurückhaltend: „Wenn wir ein E-Bike auf den Markt bringen sollten, wird es mit Sicherheit das Gravitylastigste E-Bike in diesem Segment. Ein echtes YT eben.”


YT-Team-Rider Ángel Suárez nimmt Sie mit zum Downhill-Ride