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Die Zentrale von Geovol in Unterföhring.

Projekte

FAKTEN
Finanzierung:
 Infrakredit Tiefengeothermie (LfA)
Gründungsjahr: 2007
Standort: Unterföhring
www.geovol.de

Fotos: PR
Text: Stefan Ruzas

Etwas Warmes braucht der Mensch

Dem Wärmeversorger GEOVOL gelingt in Unterföhring Erstaunliches: Mehr als die Hälfte des Ortes wird mit Geothermie beheizt

Als vor rund 60 Millionen Jahren das Aufsteigen der Alpen ein Ende fand und sich die europäische Kontinentalplatte unter der Last des aufliegenden Gebirges herabbog, wurde aus Oben allmählich Unten. Molassebecken wird die Region am Alpennordrand genannt, in deren Tiefen heißes Thermalwasser zirkuliert, das zum Heizen genutzt werden kann. „Die Kunst besteht darin, das Wasser hochzuholen", sagt Peter Lohr, Geschäftsführer des kommunalen Wärmeversorgers Geovol in Unterföhring.

Wie das geht, haben er und seine Kollegen zwischen 2008 und 2014 mit zwei Förderbohrungen in Tiefen von 2.300 und 2.500 Metern bewiesen. Lohr: „Wir sind da auf eine Formation gestoßen, die sehr viel Wasser mit einer Temperatur von bis zu 93 Grad enthält." Energie pur also, noch dazu nachhaltig. 78,5 Millionen Euro hat der Aufbau der Erdwärmeanlage die rund 11.000 Einwohner große Gemeinde im Norden Münchens gekostet. Allein 24 Millionen Euro für die Bohrungen.

„Eine Gemeinde darf ihre Tochterfirmen laut EU-Recht nicht unendlich mit Geld unterstützen, deswegen war das Tiefengeothermie-Förderprogramm der LfA ein wichtiger Baustein", berichtet Geovol-Manager Lohr. Anfangs habe man mit einer Anschlussquote von 35 Prozent gerechnet, schon jetzt sei man bei mehr als 50 Prozent. Unter den Kunden sind große Unternehmen des Gewerbeparks, von der Allianz-Versicherung über den Pay-TV-Anbieter Sky bis zum Medienkonzern ProSiebenSat.1.

Das Fernwärmenetz von Geovol.

Heimische Energie

Das Fernwärmenetz von Geovol hat bereits eine Länge von 22 Kilometern. Es ist meist unter Straßen verlegt

„Das Wasser geht uns nicht aus", so Lohr weiter. „Wir schicken es ja zurück und müssen das auch nachweisen. Wir dürfen nur entwärmen, nicht entnehmen." Weil das warme Wasser auch im Sommer sprudelt, forciert Geovol gerade ein neues Modell und macht aus Wärme nun Kälte. Zwei Referenzprojekte gibt es bereits. Das Geschäft mit der regenerativen Energie funktioniert also: 2021 erwartet die Vorzeigefirma erstmals einen positiven Jahresüberschuss.


Einweihung der neuen Geovol-Energiezentrale