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Bayerische Philharmonie Intendant Mark Mast

Menschen

FAKTEN
Finanzierung:
Kulturförderung (LfA)
Gründungsjahr: 1994
Standort: München
Geschäftsfeld: Musik
Mitarbeiter: 8
www.bayerische-philharmonie.de

Fotos: Conny Mirbach
Text: Stefan Ruzas

Fotos: Conny Mirbach

"Das sind Schlüsselerlebnisse"

Als Intendant und Dirigent der Bayerischen Philharmonie leistet Mark Mast seit mehr als 20 Jahren Außergewöhnliches. Ein Gespräch über die Kraft der Musik.

Der Sohn von Holzhändlern und Sägewerkern aus dem Nordschwarzwald war Jazz-Saxofonist und Straßenmusiker bevor er Musik in Heidelberg, Paris und München studierte. Wichtige Impulse für seine Laufbahn als Dirigent gaben ihm Ikonen wie Sergiu Celibidache oder Leonard Bernstein. Mit Leib und Seele ist Mark Mast unter anderem Intendant der Bayerischen Philharmonie, ein Verein zur Föderung von Musikern. Und das zeigt er auch.

„Musik ist der direkteste Weg zur Wahrheit! hat mein Lehrmeister Sergiu Celibidache immer gesagt“

LfA: Warum brauchen wir Menschen Musik, Herr Mast?
MARK MAST: Sie ist ein menschliches Grundbedürfnis, denn: jeder von uns ist Musik. Wir existieren, da jede unserer Zellen schwingt, und der Klang ist ein Teil dieser Schwingungen. Seit es uns gibt, musizieren wir.

Studien zeigen, dass Musik auch Stress lindern kann. Sie sollte Kassenleistung sein, oder?
Eigentlich löst Musik auf megagünstige Art und Weise Probleme, die man oft mit viel Geld in den Griff zu bekommen versucht. Etwa im Bildungssystem: Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder und Jugendliche, die Instrumente spielen, ein soziales Miteinander erleben.
Werte wie Führen, Begleiten oder Zuhören bekommen sie quasi nebenbei vermittelt. Mein Lehrmeister, der Dirigent Sergiu Celibidache, hat immer gesagt: Musik ist der direkteste Weg zur Wahrheit! Wir erreichen mit ihr tiefste menschliche Dimensionen und Schichten, wo man mit Sprache und Intellekt gar nicht hinkommt. Selbst bei Koma-Patienten, Nichtgeborenen oder Schwersttraumatisierten.

Bayerische Philharmonie Intendant Mark Mast

Er lebt Musik:

Mast ist Dirigent, Intendant und künstlerischer Leiter mehrerer Festivals und Institutionen

Die Bayerische Philharmonie wurde 1994 von Ihnen mitgegründet – als „Verein zur Förderung von jungen Menschen“. Erreichen Sie die Teenager überhaupt noch, angesichts all der Smartphones?
Zum Glück sind wir über unsere Gründung hinausgewachsen und gesamtgesellschaftliche Realität geworden, für Neugeborene, Senioren, Amateure und Profis. Da gibt’s nichts Vergleichbares. Zur Frage, ob wir die jungen Leute erreichen: ganz eindeutig ja! Klassik ist attraktiv wie lange nicht.

Was wäre die Bayerische Philharmonie ohne die LfA Förderbank Bayern?
Um Grundsätzliches ärmer! Die LfA gehört zu unseren ersten Partnern. In Zeiten von Quartalsdenken und renditegetriebenem Managementdenken ist dieses Engagement großartig und unabdingbar. Weil es jenseits von modischen Trends ist.

Wobei es ja diverse Formen der Kulturförderung gibt: In den USA machen öffentliche Mittel bei der klassischen Musik 13 Prozent aus, in Deutschland 80 Prozent.
Ja, wir erhalten öffentliche Förderung. Zum Großteil finanzieren wir uns jedoch durch private Mittel und Eintrittsgelder. Aber auch die brauchen wir, um frei für musikalische Schlüsselerlebnisse zu sein. Ein harter Kampf ist es trotzdem. Aktuell suchen wir einen Mäzen oder Premiumsponsor, gerne aus dem bayerischen Mittelstand. Jahrelang wurden wir vom Schweizer Privat-Bankier Hans Vontobel unterstützt, der im Januar im Alter von 99 Jahren gestorben ist.

Mit Ihren sieben Orchestern, Chören und Ensembles haben Sie im vergangenen Jahr 68 Konzerte gegeben, vor immerhin mehr als 20.000 Zuhörern. Wie unterscheiden sich Ihre Klangkörper überhaupt?
Und wir haben gerade sogar noch einen Männerchor gegründet. Wichtig ist das pyramidal aufgebaute Modell. Aber Spaß beiseite: Wir fördern vom Kind über den Jugendlichen und Musikstudenten bis zum Profi. Und dann gibt es eine vokale und eine instrumentale Säule, also die Chöre und Orchester. Sie können hier im Alter von fünf Jahren im Chor loslegen und mit 75 immer noch mitmachen. Die Lücke von der Geburt bis zum fünften Lebensjahr schließen wir durch ein musikpädagogisches Angebot und die KlangEngel-Patenschaft.

„Auch in Unternehmen geht es um Fragen wie: Wie entstehen Harmonie, Rhythmus und Melodie?“

Ach, Engel sind Sie auch noch?
Unsere KlangEngel-Patenkinder bekommen sieben Jahre lang alljährlich ein altersgerechtes Klangerlebnis geschenkt, und die Nachfrage ist enorm. Sowas könnte bei ausreichender Finanzierung auch andernorts in Bayern entstehen.

Sie arbeiten ja seit einer Weile auch mit Flüchtlingen. Was bieten Sie denen an?
Entstanden ist das durch unsere Reise nach Palästina im Jahr 2015. Wir laden Kinder und Jugendliche ein, mit uns zu musizieren. Da spielen dann zum Beispiel Hackbrett und arabische Oud einen Kanon. Es geht um die Idee, Teil einer Gemeinschaft zu werden.

Auf der Internationalen Musikmesse in Frankfurt wurde eine Umfrage präsentiert. Demnach hört ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland klassische Musik. Deutlich mehr als angenommen. Überrascht?
Ich freue mich, dass sich bestätigt, was ich eigentlich immer so empfunden habe. Wobei ich ja auch ein großer Verfechter von Crossover bin. Wir haben schon das klassisches Symphonieorchester mit dem Europameister im Human Beatbox zusammengebracht. Oder mit einem
mongolischen Pferdekopf-Geiger, der zudem Ober- und Untertongesang beherrscht. Wir standen aber auch mit Konstantin Wecker, Udo Lindenberg, Peter Maffay und Helene Fischer auf der Bühne. Oder mit der niederbayerischen Band Haindling. Unser Anspruch ist, dabei immer leidenschaftlich, exzellent und innovativ zu sein, nicht beliebig.

Beatboxen kann man bei Ihnen ja sogar in Workshops lernen. Genauso wie Jodeln, Circle-Singing oder Komposition.
All das gehört zu unserem Selbstverständnis, jung zu sein. Und das sind wir, auch wenn unser Name im ersten Moment vielleicht etwas traditionell klingt. Unsere Angebote haben natürlich viel mit unserem Haus zu tun, das wir 2009 kaufen konnten. Seitdem bieten wir vieles vor Ort an.

Sie halten ja auch Vorträge und erläutern unter anderem, was das Tun eines Dirigenten mit dem eines Managers verbindet ...
Auch in Unternehmen geht es um Fragen wie: Wie orchestriert sind die Abläufe? Wie entstehen Harmonie, Rhythmus und Melodie?

Welches Musikstück würden Sie auf eine Insel mitnehmen, wenn es nur ein Einziges sein darf?
Die Achte Symphonie von Anton Bruckner. Das ist der Gipfel symphonischen Erlebens. Es gibt keine menschliche Regung, die dort nicht zur Ewigkeit geführt wird.